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Freising - Energiefragen lassen
sich nur mit dem Blick auf das globale Ganze lösen. Dass die Energiewende
dabei auch enorme Chancen für die Landwirtschaft eröffnen kann,
vermittelte eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung, zu der am Freitag,
12. September, rund 70 interessierte Bürger in den Lerchenfelder
Gasthof „Grüner Hof“ gekommen waren.
| Als Hauptreferenten des Abends konnte
Sonnenkraft-Vorsitzender Dr. Andreas Horn den „Vater des Erneuerbare-Energien-Gesetzes“,
den vielfach mit Solar- und Umweltpreisen ausgezeichneten Bundestagsabgeordneten
Hans Josef Fell begrüßen, forschungs- und technologiepolitischer
Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen. Zu
der Veranstaltung eingeladen hatten der Verein Sonnenkraft, der Fachverband
Biogas und der Bundesverband Pflanzenöl. |
Diskutierten über
Bioenergie:
MdB Hans Josef Fell,
Prof. Dr. Ernst Schrimpff, Josef Pellmeyer und Dr. Andreas Horn (von links)
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Nicht allein die Solarstromerzeuger erwarten
derzeit mit Spannung und Ungeduld die im Bundestag anstehende Novellierung
des „EEG“, des Gesetzes zum Vorrang erneuerbarer Energien. Auch den Landwirten,
so machte Josef Pellmeyer, Präsident des Fachverband Biogas e. V.,
deutlich, brenne es unter den Nägeln. Pellmeyer: „Wenn wir Rohstoffe
säen und ernten müssen, entstehen Kosten“. Gesät werden
müsse bereits im März. Wenn das Gesetz jedoch erst im Mai komme,
sei es zu spät, erklärte, Pellmeyer und forderte Planungssicherheit.
Die kostendeckende Vergütung, die
von Solarstrom, die in Freising ihren Anfang nahm und aus der später
das Gesetz über den Vorrang erneuerbarer Energien hervorgegangen ist,
eröffnet auch der Landwirtschaft Chancen. Am EEG hängen Aufträge,
Arbeit in einer Wachstumsbranche mit erheblichen Potenzialen. Wenngleich
in der Novelle des EEG erstmals immerhin die nachwachsenden Rohstoffe verankert
werden sollen, so beklagte Professor Dr. Ernst Schrimpff die Schieflage
in der Behandlung des Rohstoffes Pflanzenöl. Weltweit betrachtet habe
Pflanzenöl das Potenzial das Erdöl komplett zu ersetzen, führte
Schrimpff aus.
Reines Pflanzenöl jedoch, weiß
auch Schrimpff, gewähre der konventionellen Industrie keine Verdienstmöglichkeiten.
Lediglich in seiner veresterten Fom als Bio-Diesel werde es von der öffentlichen
Hand massiv gefördert, obwohl doch der ursprüngliche Ausgangsstoff
Pflanzenöl über eine höhere Ernergiedichte verfüge.
Bio-Diesel aber werde durch die vorgebliche industrielle Veredelung deutlich
teuerer. Davon jedoch habe der den Rohstoff produzierende Landwirt
nichts.
Die gezielt von der konventionellen Industrie
und den Energieerzeugern gestreute Falschinformationen führten noch
immer zu absurden Strukturen in Politik, Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft,
hat auch Hans Josef Fell erfahren. Er vertrat die These, dass eine radikale
Energiewende ganz ohne Wohlstandsverlust möglich sei. Fell: „Es gibt
Hochrechnungen, nach denen der gesamte Energiebedarf in der EU innerhalb
von zwei bis drei Jahrzehnten mit erneuerbaren Energien zu realisieren
ist“.
Von den Klimaschäden, deren Auswirkungen
jeder Bürger beispielsweise bereits in der verschobenen – jetzt irreführend
als „vorgezogen“ definierten – Steuerreform zu spüren bekomme, über
die Kriege um Öl bis hin zu neuen Chancen für Arbeitsplätze
durch Export von Know-how in solarer Energietechnik umriss Hans Josef Fell
die Aufgaben und Ziele einer zukunftsorientierten Energiepolitik. Steigende
Ölpreise aufgrund der zu erwartenden Rohstoffverknappung stehen deutlich
sinkende Investitionskosten bei den regenerativen Energien gegenüber.
Eines Tages, so prophezeite Fell sei der Schnittpunkt beider Kurven erreicht.
Vor diesem Zeitpunkt hätten die großen Konzerne Angst. Dann
nämlich werde jeder Mensch ein Umweltfreund, denn die Verdienstmöglichkeiten
wanderten von den großen Konzernen hin zur Bevölkerung.
Die zahlreich anwesenden Bürger, darunter
viele Landwirte und Bio-Energieerzeuger, nutzten anschließend die
Möglichkeit, dem Abgeordneten und Energiexperten konkrete Fragen zur
Novelle des EEG zu stellen und Anregungen vermitteln zu können. Wenngleich
der Gesetzesentwurf den Landwirten wie auch den Solarpionieren nicht jeden
Wunsch erfüllen könne, so sei er doch dankbar, versicherte Fell,
für den Input der Verbände und Solarvereine, ohne den auch das
bisher schon Erreichte gewiss nicht möglich gewesen sei.
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